DEM GEBURTSTAGSKIND
Im Jahre neunzehnhundertundsieben -
so steht´s im Geburtenschein geschrieben -
erblickte Eleonore das Licht der Erden
und es sollte ein erfülltes Leben werden…
Kaum sieben, lag die Welt schon in Trümmern,
vier Jahre sollte der Krieg die Menschen bekümmern.
1918 war´s vorbei mit dem Kaiserreich,
Eleonore war elf - die Republik hieß Österreich.
Die steirische Heimat wurde ihr bald zu klein,
so ging sie voll Tatendrang nach Wien hinein.
In Dienst - so hat man damals gesagt -
tüchtige Mädchen waren immer gefragt.
Noch ein Krieg - die Welt wieder in Trümmern,
daß die Kleinen hungern, mag die Großen ja nicht kümmern.
Die Eleonore verläßt nie der Mut
und so kämpft man sich nochmals durch Asche & Schutt…
Fleißig und sparsam geht sie ihren Weg
und landet in X am Rollfähresteg.
Dort wird sie ein Wahrzeichen für jung und alt,
vor niemandem macht ihre Fröhlichkeit halt.
Frühmorgens schon zieht sie ihr Wagerl einher
voll Zuckerln und Kracherl und Würstel und mehr.
Nie hat wer von ihr ein böses Wort vernommen,
von überall her sind die Wanderer gekommen,
um sich bei ihrem Standl zu erfrischen
und die Eleonore war glücklich, aufzutischen.
Heute bewirt´ sie die Vogerl und die Katzen,
die hungrig an ihrer Türe kratzen.
Auch auf die Blumen vergißt sie nie,
sie redet mit ihnen wie mit dem lieben Vieh.
Und so lang man die Eleonore so plaudern hört,
ist der Lauf unseres Ortes ungestört.
So wünschen sich in X die Kleinen und Großen,
mit der Elli auch zum Hundertsten anzustossen.