EWIG HER…

Ich hab schon lange nicht gereimt
vielleicht hab ich ja was versäumt.
Mitnichten sprachen meine Tanten -
ganz aufgebracht die Anverwandten -
ohne Tanten sprachen Nichten,
wie kannst Du dich dem Reim verpflichten?
Erinner Dich, wie’s damals ging,
als Dich der Reime Wahn umfing…

Oh ja, ich weiß es noch genau,
ich war nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Frau,
kaum Schatten meiner selber mehr
die Augen hohl, der Magen leer,
kaum mächtig meiner sieben Sinne,
und hielte ich nicht damals inne,
so wär ich heute nicht dabei,
bei dieser Ringelreimerei.

Dabei hatt ich mir nichts gedacht
in jener nebeldüst’ren Nacht,
als ich in jenes Knusperhaus
hineintrat – und dann nicht mehr raus.
Drin lebt’ein seltsam Brüderpaar,
die glichen sich bis auf ein Haar,
dazu der Geist der toten Lene -
de mortuis nihil nisi bene.

Auch Onkel Hermann lebte hier,
er trank am Sonntag gerne Bier.
Nun, leben kann man so nicht sagen,
trotzdem hab ich mich gut vertragen.
Der Hermann blickte meistens stumm
dabei war er mitnichten dumm,
er war bloß eine Kleiderpuppe,
drum brauchte er auch wenig Suppe.

Ihr glaubt wohl jetzt, ich dichte nur,
ich kann’s beschwören – Wahrheit pur!
Die Brüder hiessen Kunz & Hinz
und waren beide nicht aus Linz.
Das war jetzt gar kein Kinderspiel,
denn reimen tut sich drauf nicht viel.
Trotz allem fühlt’ich mich gleich wohl,
ich schwör’s, ‘s lag nicht am Alkohol!

Da war dann noch der Riese Schorsch,
der kochte alles – außer Dorsch.
Die Laute spielte er wie keiner,
wenn er sich bückte, war er kleiner.
Das tat auch not, die Türen niedrig,
das war dem Schorsch mitunter zwidrig.
Die Weiber hat das nicht gestört,
doch selten hat er sie erhört.

Schorsch’s Suppenhühner war’n die besten,
das zeigte sich bei vielen Festen.
Von nah und fern raunten die Leut,
“Der Januszewski, der kocht heut”.
Nur eine seiner großen Gaben,
die alle gern genossen haben.
In Wahrheit war er ein Schamane,
ein Eremit, ein Dichter, ein Bramahne.

Der Hinz, der machte Gold aus Eisen,
die Damen schmacht’en reihenweisen.
Gar wundersam Geschmeid gebar
die alte Werkstatt Jahr für Jahr.
Der Kunz hingegen ganz profan,
handelte mit altem Tand & Kram.
Drei Hexer, zwei Geister und ich mittendrin,
ich war die Erbsenkönigin.

Wenn Ihr geglaubt, die Gschicht ist aus,
dann sag ich Euch – da wird nix draus.
Ein halbes Jahr bin ich verharrt,
so manches Gschichtl da noch wart’.
Doch vorher sei Euch noch erzählt
wann mich der Reim-Virus erwählt’:
Als ich das Lesen lernen wollte,
begann ich gleich mit Witwe Bolte.

Ich folgte Max & Moritz’ Streichen
(die endeten als Mehlstaubleichen),
mein Liebling: Huckebein der Rabe -
so sog ich auf des Reimens Gabe.
Bis heute kann ich rezitieren,
die Buschiaden von Mensch & Tieren.
Die Bosheit war es über allem,
die mir besonders hat gefallen…

Wie ging’s im Hexerhaushalt weiter?
Ich kann Euch sagen, s’war recht heiter:
Der Badeofen jeden Morgen
beheizt, damit ich keine Sorgen.
Der Hexer zwo an Lenes Herd
kochte mit Spänen & Scheiten altbewährt.
Der dritte im Bunde deckte den Tisch,
und servierte mit Liebe – doch niemals Fisch.
Ich durfte auf Lenes Totenbett thronen,
die höchste Ehre für die, die dort wohnen.

Ich strickte und wirkte damals noch munter,
im Hexerhaushalt ging’s drüber und drunter,
da war ein ständig Gehen und Kommen
von armen Sündern und weniger Frommen
da war ein ständig Kommen und Gehen,
und alle war’n hungrig – nicht zu übersehen.
Der Schorsch rührte täglich in seinen Töpfen,
mit Lenes Geist über unseren Köpfen.
Am Abend da saßen dann alle am Tisch
und plauderten lustig – doch nie über Fisch.

So geschah’s eines Tages in trauter Runde,
ich gestehe, es war schon zu sehr später Stunde,
als Hexer und Geister nicht mehr ganz nüchtern,
jedoch wie immer keinesfalls schüchtern,
daß plötzlich der alte Hermann sprach -
im ersten Moment gaben meine Beine nach.
“Es ist zwar nicht Sonntag, doch ich hätt gern ein Bier,
was ist denn das für eine Wirtschaft hier?”

Fortsetzung folgt…

Hinterlasse eine Antwort