HERRN MÜLLERS DUNKLES GEHEIMNIS
Lang ward gerätselt über Herrn Müllers Pläsier,
welch grausig Geheimnis birgt mittags die Tür.
Kurz vor zwölf verklärt sich des Meisters Blick,
sein Gang wird schwebend, sein Puls fällt zurück,
wie in Trance schlürft er sein Süppchen - alle warten gespannt,
schon schliesst er die Tür mit energischer Hand.
Ein Raunen geht durch die Küche, keinen freut mehr das Essen,
feiert er da drin gar heimlich schwarze Messen?
Nach der Pause erscheint er mit zerfurchtem Gesicht,
es gibt düstere Abgründe, über die man nicht spricht.
Doch bald waren alle erleichtert - er treibt nicht Wudu,
er begibt sich ganz einfach und harmlos zur Ruh.
Als Dompteur von höchst eigenwilligen Herren & Damen,
muss ja zu Mittag die Energie erlahmen.
Ganz zu schweigen vom Raubsgetier
Wurm, Maus & Motte sind zum Verzweifeln schier.
Die Fussballergebnisse sind auch ein Graus,
es wär am besten, man blieb gleich zuhaus.
So vom Schicksal gebeutelt, sei ihm wenigstens gegönnt,
ein Polsterl auf dem sich´s noch weicher pennt.
Süsse Träume, Herr Müller, soll´s Ihnen bringen,
statt älterer Damen junge Elfen, die singen,
statt wurmiger Nüsse goldene Trauben,
kein Elfmeter soll mehr ihren Mittagsschlaf rauben.
Geniessen Sie nun doppelt die Mittagsstund,
das Polsterl erhalte Sie lange faltenfrei & gesund!