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Burgfräulein

Die Nacht, die ist mein Elixier,

so richtig leb ich erst in ihr.
Wenn alle schlummern, manche schnarchen,
fühl ich mich als der Welt Monarchin.
Kein Klingelton stört meine Kreise,
die Nacht hüllt dunkel & ganz leise,
die Stadt in Frieden und in Ruh,
manchmal schaut gar der Mond mir zu,
zu schweigen ganz von hellen Sternen,
als wär der Himmel voll Laternen.

Das Haus hier ist ein wahrer Traum,
drum sieht man mich ja draußen kaum.
das Schönste allerdings dabei,
die Burg ist nächtens menschenfrei.

D.h. allein die Erbsenqueen
wandelt zur Geisterstunde hin
durch lange Gänge, dunkle Ecken,
gefolgt von Stiefel ohne Schrecken.

Oft fragen mich die Leute, sag,
ich würd mich fürchten – nicht am Tag,
doch nächtens stünde mir der Schweiß
wenn ich mich ganz allein hier weiß.
Da kann ich milde lächeln nur,
denn Geistern ist ja die Natur,
die meinem Wesen eigen ist
jetzt fehlt der Reim – was für ein Mist!

Da sitz ich dann bei schrägen Wänden,
wen wundert noch gar manch Befremden,
dass ich ein wenig windschief sei,
was soll’s, mir ist das einerlei.

Darüber muss ich wirklich schmunzeln
(auch wenn man sagt, das führt zu Runzeln),
die Frage wird mir oft gestellt:
Wozu das Licht, wenn meine Welt,
doch vornehmlich im Dunkeln liegt?
Dem ist nicht so, der Schein, der trügt:
Manchmal, da schlaf ich sechs bis zehn,
um dann zwei Tag nicht schlafen z’ geh’n.
Ein andermal da bin ich munter
tagsüber nur – kommt vor mitunter,
und oft lausch ich an der Matratze
nur nachmittags – mit meiner Katze.
Dem Stiefel ist das völlig schnurrrrz,
Hauptsach das Fressen kommt nicht z’ kurz.

Und andererseits wollen meine Pflanzen
im Licht der Sonnenstrahlen tanzen.
Die Orchideen, die pfleg ich ja,
und Stiefel wähnt sich Jaguar.

Am Tag ist hier die Hölle los,
beherbergt die Burg in ihrem Schoß
doch mehr als 70 Unternehmen,
mit teils der kuriosesten Themen:

Da gibt es einen, der spinnt Schnüre -
die Wahrheit wieder, alle Schwüre -
für Jalousien und sendet diese
in alle Welt für die Markise
von Maharadschas und Chinesen
damit beschattet sie beim Lesen.

Zum Thema “Spinnen” sag ich Dir,
auch das war einst Beruf von mir,
jedoch ich restauriert’ Maschinen,
hunderte Jahr alt, auf Hebebühnen.
Womit dereinst Gestrick gewoben,
zu üppig-noblen Garderoben.
Fast packt mich jetzt das Weh nach Heim,
jedoch, das ist ein anderer Reim…

Ein stiller Mann der baut allhier
für Pianisten stumme Klavier’.
Die geben von sich nicht den leisesten Ton,
ich hatte noch nie gehört davon:
Denn wenn Pianisten von früh bis spät üben,
dann kann es passieren – hüben wie drüben -
dass Nachbarn zu Serienmördern mutieren,
und die Virtuosen flugs massakrieren.
Drum baut man hier die tonlosen Truhen,
damit die Nachbarn in Frieden ruhen.
Er reist dafür um die ganze Welt,
wenn ein Konzertpianist so eine Stumme bestellt,
er paßt sie an nach dessen Pläsier
und möglichst auch dessen Originalklavier,
dann faltet er sie raffiniert,
auf dass sie ins Reisegepäck konveniert
und liefert die Stumme an seiner Seite
in alle Länder der Welten Weite.

Wenn man paar Türen weiter schaut
wird hier auch Schokolad’ gebraut.
Die Manufaktur mit Namen Leschanz
erfindet Süßes zum Walzertanz.

Paar Tischlereien die zimmern hier
von Fenster, Tisch bis Bank und Tür,
auch eine Seidenwebanstalt
pflegt Tradition hier ewig alt,
webt Riesenstücke für die Bühnen,
gebügelt wird mit Dampfmaschinen.

Ein Geigenbauer namens X
versteht zwar vom Seidenweben nix,
dafür ist er beim Saitenkleben
wahrhaft begabt – ein Meister eben.

Dann gibt’s noch Grafen für die Bilder
und Architekten, die sind wilder,
der größte Kunsttransport sitzt hier,
der Graphiker, der gibt’s gleich vier.
Dazu noch Druckereien sieben
auf meiner Stiege und auch drüben.

Das Haus hat der Franz Joseph baut,
schon neunzehnacht hat er drauf gschaut,
dass das Gewerbe hoch gehalten
und ließ die Trutzburg hier gestalten.

Ja diese Mischkulanz ist Wien,
im Reich der Erbsenkönigin.


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Wenn die Elisabeth…

(hört’ ich als Kind, ging ich zu Bett)

statt zwei Füß vier Radeln hätt
(naja, ich fand das mittel-nett)
wär das ein Genuß
(ich fand’s mehr Überdruß)
wär sie ein Autobus
(wer dichtet soviel Stuss?)

Dabei tät ich den Namen lieben,
historisch gibt’s weit mehr als sieben
Elisen in der ganzen Welt,
deren Geschichte mir gefällt.
Meine Patronin ist eine Heilige
weiland von Thüringen (für wirklich Eilige),
doch die erste Elisabeth im Heiligen Land,
war die Mutter des Täufers – allerhand.

Jelisaweta Petrowna,
war Zarin und Kaiserin gleichzeitig gar.
Über Elisabeth die Erste kann man viel klagen,
auf ihr Geheiss ging’s Mary an den Kragen,
das kommt davon, wenn ein Wüterich
angeblich der Erzeuger väterlich.

Elizabeth, die Zwote, endlich
behütet sich manchmal befremdlich,
jedoch sie schaut recht gütig aus,
besonders wenn ihr Mann net z’haus.

Die Erszebet aus Hungarien,
war eine von den Furien,
sie schlitzte Jungfern, zart und rein,
trank deren Blut wie roten Wein,
die wollen wir gleich wieder streichen,
die hinterließ zuviele Leichen.

Dagegen die Sisi – ein Hollywoodmärchen -
gemeinsam mit’m Pepi ein Bilderbuchpärchen.
Elisabeth, Kaiserin von Österreich,
war wunderschön, doch grottenbleich,
fiel ihrem Mörder spät anheim
für mich ist’s gut, sonst fehlt’ der Reim.

Und schließlich die Schneider vornamens Liz
an der sich der Richard die Zähne ausbiss.
Die soff gerne Whiskey, vornehmlich pur,
drum hatte sie eine Rossnatur.

Im Geiste dieser Namensschwestern,
schau ich nach vorne, nicht nach gestern,
trage den Namen voller Würde,
empfinde ihn auch nie als Bürde.

“Rosa” ist mein dritter Name,
wie Urgroßmuttern (eine Dame),
dazwischen noch ein “Isabella”,
auf Opa’s Wunsch, da war er schneller,
dass seine Mutter auch geehrt,
wo er sie doch so hoch verehrt.
Elisa, Isa, Bella, Rosa,
das ist doch ein Gedicht, nicht Prosa,
Ihr seht, schon in die Wiege legte
man mir, dass ich mal Reime pflegte.

Man weiß ja, dass die Anglomanen,
den Brauch pflegen der Mittelnamen,
kürzt man die Isabelle auf I.
(das tu ich manchmal, glaubt man nie)
dann kommt heraus der Übung schwerste:
Erbskönigin Elisabeth, die Erste.

 

 


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